Brauerei Ponarth in Königsberg

war des öfteren als Einlagerungsort im Gespräch...



Ein konkreter Hinweis betraf die Brauerei in dem kleinen Stadtteil Ponarth im Süden der Stadt. Danach sollten die Kisten mit dem Bernsteinzimmer in den mehrgeschossigen Kelleretagen der Brauerei untergebracht worden sein. Doch in Ponarth gab es zwei Brauereien:

Die Actien-Gesellschaft Brauerei Ponarth in der Tuchmacherstraße 20-22 und die Actien-Brauerei Schönbusch, Schönbuscher Straße 1-5.

Einer Mitteilung in der englischen Zeitung “The Sunday Times" vom 24. August 1969 zufolge sollte es sich um die Brauerei Schönbusch handeln. Der ehemalige Direktor, ein gewisser Franz Pohlenz, soll dieses Geheimnis seinem Neffen hinterlassen haben, der es dem englischen Korrespondenten mitteilte.

Die Schönbusch-Brauerei lag westlich der Eisenbahnlinie Königsberg-Berlin und hatte ein direktes Anschlußgleis an diese Strecke, was sie als Lager und als Umschlagplatz für Güter geeignet machte. Der Leser eines von uns veröffentlichten Berichtes über den Stand der Suche nach dem Bernsteinzimmer teilte mit, er habe in Ponarth gewohnt und 1945 als Zwölfjähriger Vergrabungen in der Nähe einer Brauerei beobachtet.

Zu Ponarth hatten wir bereits viele Recherchen unternommen und so fiel es nicht schwer, die Rolle der Brauerei Schönbusch aufzuklären. Ihre Keller und Lagerräume waren 1944 zur Einlagerung der riesigen Materialmengen herangezogen worden, die aus den okkupierten Gebieten der UdSSR verschleppt wurden.

Das Lager der Schönbusch-Brauerei gehörte zu einem Sonderauftrag des Reichsministers für die besetzten Ostgebiete und stand unter der Leitung eines Oberregierungsrates Bartling. Da es sich hier um einen Sonderauftrag des Ostministeriums handelte, war mit hoher Wahrscheinlichkeit die Einlagerung des Bernsteinzimmers in der Schönbusch-Brauerei auszuschließen. Hierfür waren die tiefgreifenden persönlichen Differenzen zwischen Ostminister Rosenberg und Reichskommissar Koch bestimmend. Bei den beobachteten Vergrabungen hatte es sich um Schreibmaschinen gehandelt, die natürlich nur noch schrottreif aufgefunden wurden.

Noch etwas spricht gegen die Version einer Einlagerung im Ortsteil Ponarth. und das ist der Frontverlauf. wie er in den Monaten Januar bis April 1945 bestand. In diesem Zeitraum waren die sowjetischen Truppen gerade südlich von Königsberg stets der Stadt am nächsten, und die faschistische Führung mußte zu jeder Zeit mit einer erheblichen Verstärkung der Kräfte der Sowjetarmee in diesem Abschnitt rechnen, sobald die deutschen Truppen im Heilsberger Kessel (bei Lidzbark Warminski) südwestlich Königsberg zerschlagen wären.

Aber nach Ponarth führte noch eine andere Spur des Bernsteinzimmers. Im Februar 1967 berichtete die polnische “Dzennik Ljudowy" über das Gespräch eines ihrer Korrespondenten im Gefängnis mit Erich Koch. Darin habe Koch angegeben, “daß sich das Bernsteinzimmer in Kaliningrad im Bunker unter der alten polnischen römisch-katholischen Kirche von Ponarth" befinde. Dieser Bunker sei dann dem Erdboden gleichgemacht worden. Außerdem wären darauf Bomben zur Explosion gebracht worden, um alle Spuren zu vernichten.

Nun, an dieser Meldung stimmten gleich mehrere Dinge nicht. Erstens war die Kirche in Ponarth evangelisch, und zweitens war sie 1945 weder gesprengt noch bombardiert worden. Sie blieb bis 1948 die evangelische Zentralkirche der bis dahin noch in der Stadt und Umgebung verbliebenen Reste der deutschen Bevölkerung. Dies bekundete kein Geringerer als der damalige Pfarrer der Kirche. Mit der “alten polnischen römisch-katholischen Kirche" konnte dagegen nur die Steindammer Kirche im Zentrum der Stadt gemeint sein. Auf sie traf das zu, was Koch hinsichtlich ihrer Zerstörung dem Reporter der Zeitung berichtet hatte. Zeugen, die in der Umgebung der Kirche wohnhaft gewesen waren, berichteten ebenfalls von ihrer Zerstörung. Danach wurde die Kirche am Steindamm in den ersten Apriltagen 1945 nicht durch Bomben oder Artilleriebeschuß, sondern durch eine nicht erklärbare gewaltige Explosion dem Erdboden gleichgemacht.

Schon sehr früh führten diese letztgenannten Zeugenaussagen zu einer Überprüfung. In einem Gewölbe der Ruine wurden tatsächlich eine Marmostatue, Gott Amor darstellend, und ein stilvoller Sessel unter den Trümmern aufgefunden. An der Rückseite des Sessels und am Sockel der Statue befanden sich Metallschilder, auf denen jeweils eine Nummer und in kyrillischer Schrift die Worte “Puschkin-Museum" entziffert werden konnten. Offenbar hatte es sich bei dem Bunker am Steindamm, auf den Dr. Rohde Professor Barsow bei einem gemeinsamen Fußweg hingewiesen hatte, um eine Anlage gehandelt, die unter und unmittelbar neben der Steindammer Kirche angelegt und als Depot genutzt war.

Solange das Geheimnis des Bernsteinzimmers nicht völlig überzeugend gelüftet ist, wird auch weiterhin allen ernstzunehmenden Hinweisen auf verdächtige Aktionen der Faschisten in den letzten Wochen und Monaten ihrer Herrschaft in Königsberg durch die zuständigen Organe Kaliningrads gründlich nachgegangen werden.

So manches wertvolle,  meist jedoch beschädigte Kunstwerk aus Museen der Sowjetunion wurde bei dieser jahrelangen Suche gefunden, doch vom Bernsteinzimmer ergab sich keine neue Spur.

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